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Was hat das Ruhrgebiet im Kulturhauptstadt-Jahr zu bieten?
Je näher das Kulturhauptstadtjahr 2010 rückt, desto öfter wird auch auf einzelne Programmpunkte hingewiesen, an denen sich bereits die Gemüter erhitzen. Denn mit der Kultur ist es so eine Sache, wenn diese dazu dienen soll, einen Raum zu vermarkten - insbesondere dann, wenn es sich um eine Region handelt. Vielmehr als um eine 'Kultur' scheint es um die Frage zu gehen: Wie versteht sich das Ruhrgebiet und als was will es - zumindest kulturell - gesehen werden? Schließlich erhofft man sich wohl in erster Linie wirtschaftliche Effekte, was auch das Medieninteresse zeigt (z.B. steht am 19. Oktober in der NRZ, dass die Hotelbetriebe der Region nicht allzu hohe Erwartungen in das Jahr 2010 legen)
Eines zumindest ist ganz wesentlich: Erstmals treten mehrere Städte unter einem Dach der Kulturhauptstadt an und beabsichtigen damit, sich als Region der Kultur nach außen - wie nach innen - darzustellen. So sind es letztendlich 53 Städte, die sich um die offizielle Bewerberstadt Essen gruppieren und für sich (wie in denNachbarstädten Essens sehr deutliuch) als die Kulturhauptstadt darzustellen. Dass es um das Ruhrgebiet als Region geht, ist nur allzuschwer zu vermitteln. Die Problematik ist so gegenwärtig, dass die Ruhr.2010 GmbH auf der Seite Programmlinien schreibt: 'Die Komplexität dieser Aufgabe übersteigt jede andere im Kulturmanagement in Deutschland um ein Vielfaches. Kommunikation, Kooperation, Koordination und Konsens sind unsere maßgeblichen Arbeitsfelder.'
Probleme sind also vorprogrammiert. So wurde vor wenigen Tagen z.B. offiziell, dass im offiziellen Programm für 2010 (von diesem ist öffentlich noch nicht allzu viel bekannt geworden) nach Auffassung von Bottrops Museumsleiter Dr. Heinz Liesbrock drei Persönlichkeiten zu kurz kämen, die auf das Engste mit der Region verbunden seien und in denen er die kulturelle Identität des Ruhrgebiets verkörpert sieht. Dies sind der Maler Josef Albers, der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck sowie der Sammler und Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus, Begründer der Folkwang-Sammlung.
Sie sind nicht nur Namensgeber bedeutender Museen (in Bottrop, Duisburg und Hagen), sondern die Wurzeln dieser drei Männer, die Dr. Liesbrock als weltbekannte Gestalten in der Kunst der internationalen Moderne bezeichnet, liegen im Ruhrgebiet. Seine Vorschläge, die Liesbrock bereits vor einigen Wochen unterbreitete, stießen im Kulturhauptstadt-Büro aber auf Desinteresse. „Als Teil der gewachsenen Identität des Ruhrgebiets sind diese drei Männer mit Abstand die bedeutendsten Kulturträger der Region”, so Liesbrock.
Auch Martin Heller, künstlersicher Leider der Kulturhauptstadt 2009, Linz, sieht laut dpa einige Schwierigkeiten, mit denen die Region umzugehen hat: 'Auch für ausländische Gäste ist es anspruchsvoller, eine Region zu besuchen, die sich als Ruhrgebiet definiert, gegenüber einer klar umrissenen Stadt. [...] In einer einzelnen Stadt ist es leichter, ein «Wir-Gefühl» und eine Begeisterung aufzubauen.'
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