Radikale Studie zum Umgang mit schrumpfenden Regionen
Der demografische Wandel und seine Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft sind seit einigen Jahren in aller Munde, und das Interesse - auch der Medien - nimmt nicht ab, sondern weiter zu, denn man erwartet schwerwiegende Konsequenze, wenn nicht angemessen gegengelenkt wird.
Die Entvölkerung, bedingt durch Abwanderung, sinkende Fertilitäts- und höhere Sterbequoten stellt Städte und Gemeinden und damit ganze Landsriche vor eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft: Wie kann eine Region ihre Attraktivität behalten und somit ihre Pflicht- und darüber hinausgeghenden Aufgaben erfüllen?
Die Reaktionen von politischer Seite liegen oftmals in der Förderung von infrastrukturellen Maßnahmen oder andere Formen der Wirtschaftsförderung, wobei die Erfolge meist bescheiden oder gar nicht erkennbar sind. Ebenso wird das Stadt- und Regionalmarketing als wichtige Stellschraube angesehen, im Wettbewerb um die sinkenden Einwohner (und abwandernde Unternehmen) Attraktivität zu schaffen und zu vermitteln.
Eine neuere Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die Juni 2009 im Auftrag des - noch amtierenden - Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) erstellt wurde, kommt nun jedoch zu dem Ergebnis, dass Fördermittel für solche Regionen, die bereits zu einem bestimmten Grad von Entvölkerung und Attraktivitätsverlust betroffen sind, erfolglos sind und stattdessen gestrichen werden sollten, um sie effizienter an anderer Stelle zu bündeln. Dies würde bedeuten, dass in immer mehr Regionen lediglich eine Grundversorgung bereitgestellt werden sollte, die sich auf die Notfallrettung, Erreichbarkeit für Ordnungskräfte, eine ausreichende Versorgung der verbleibenden hochbetagten Menschen, Wasser, Strom und Telekommunikationsinfrastrukturen beschränkt; so der Leiter des Berlin-Instituts im Interview mit dem aktuellen Wirtschaftsmagazin brandeins.
Weil die Ergebnisse und Vorschläge dieser Studie dem Bundesverkehrsminister zu weit gingen, distanzierte sich dieser von den Aussagen und ließ die Publikation kurzfristig wieder aus dem Netz nehmen. Nach Einspruch der FDP ist das Ergebnis wieder öffentlich zugänglich, wenngleich nur noch auf den Seiten des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: http://www.bmvbs.de/Anlage/original_1082377/Demografischer-Wandel-Ein-Po...
